Pressestimmen

Mozart und die Hirsche

 

Ein Wagnis mit Risiken: Der Orpheus Chor, begleitet vom Berner Symphonieorchester, nimmt sich Mozarts einstündiger Mammutmesse in c-Moll an.

 

Einerseits unvollendet, andererseits untypische Gestalt – und trotzdem berühmt: Wolfgang Amadeus Mozarts grosse c-Moll Messe geniesst eine Sonderstellung im Schaffen des Komponisten. Es fehlen Teile des Credo sowie Crucifixus und Agnus Dei, und als Nummernmesse gehört sie durch die Länge zu einem damals schon fast aus der Mode geratenen Genre.

Chorleiter Rudolf Rychard führt seinen Chor weitgehend sicher durch die anspruchsvolle Partitur. In den getragenen Passagen scheinen die hohen Register auf Kosten der Intonation etwas angespannt. Zu überzeugen vermögen hingegen die Herren, welche zielstrebig in die vielschichtigen Fugati führen.

 

Passive Begleitung

Bei der Uraufführung übernahm Mozarts Ehefrau Constanze den Sopranpart. Sie sollte damit ihre künstlerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen, da Vater Leopold der erst kurz zuvor beschlossenen Ehe zwiespältig gegenüberstand. Die Sopranistin Maya Boog singt ihre Ariosi mit lyrischer Linie. Die wilden Koloraturketten des zweiten Soprans gestaltet Solenn’ Lavanant-Linke etwas forciert. Im Duett der beiden Damen treffen daher mit Boog und Lavanant zwei sehr unterschiedliche Timbres aufeinander. Der kurzfristig einspringende Jakob Pilgram (Tenor) und René Perler (Bass) ergänzen das Solistenquartett solide.

Das Berner Symphonieorchester bleibt eine passive Begleitung, etwas mehr Verve wäre wünschenswert gewesen. Erst die einzelnen Soli der Holzbläser lassen aufhorchen.

 

Händel und Bach

Mozart sah die Messe auch als Experimentierstück, hatte er doch zuvor tiefgründige Studien von Händels Chören und Bachs Instrumentalmusik unternommen, um die Erkenntnisse in den einzelnen Nummern umzusetzen.

Nach dem ernsten Riesen strahlen zur Auflockerung hundert Minihirsche von den Rückseiten der Chornoten. Händel und Bach standen auch bei Felix Mendelssohn Bartholdys Vertonung der 42.Psalm «Wie der Hirsch schreit» Pate. Als Epilog des Konzerts herrscht in den üppigen Chören und Sopransoli eine romantische Tonsprache.

Jedenfalls erklingt Mendelssohns vertontes Glaubensbekenntnis wesentlich differenzierter. Alles in allem liefert der Orpheus Chor, wenn auch mit einigen Abstrichen, eine ambitionierte, aber lobenswerte Leistung ab: entsprechend der gebührende Applaus. (Isabelle Bischof, Berner Zeitung, 2. November 2015)

 

 

Ein Auftakt und zwei Meisterwerke

"Im Berner Konzertwinter hat der Orpheus Chor auch dank immer wieder überraschender Programmgestaltung seinen festen Platz... vereinte Dirigent Rudolf Rychard kühn drei Werke, wie sie verschiedener kaum sein könnten... Das bot dem Chor, dem Opus-Orchester und den vorzüglichen Solisten beste Entfaltungsmöglichkeiten... die Aufgabe für den vielstimmig eingesetzten Chor ist anspruchsvoll und dankbar..." (Der Bund, 10.12. 2013)

 

Eine opernhafte Messe - Rossinis "Petite Messe solennelle"

"Bereits zu Beginn gestaltete der Chor im "Kyrie" ein wunderschönes Pianissimo und liess das in einem Kirchenraum selten gehörte Zusammenspiel von Harmonium und Klavier sich prächtig entfalten ... Angestachelt von den Solisten, schwang sich der Chor zu Höchstleistungen empor. Solch klare Verständlichkeit und präzise Absprachen sind selten zu hören. Unvermittelt vermochte sich der Chor gar noch zu steigern. Den Schluss der Messe sang er mit Gewinn auswendig." (Der Bund, 11.3.2013)

 

John Rutter und Bach

"Ein innovatives Programm, bei dem ein Chor keine Angst vor schönen Klängen haben darf ... Dirigent Rudolf Rychard gelingt es, Rutters flächige Choräle und Arien facettenreich mit differenzierten Zwischentönen aufzuladen und durch dynamische Steigerungen und excellente Pianissimi die Sätze zu modellieren ... Der kraftvolle Chorsatz zum Schluss, den der Orpheus Chor auswendig singt, setzt dem Konzertabend ein Glanzlicht auf." (Der Bund, 15.9. 2012)

 

Benjamin Britten: Saint Nicolas Cantata 

"Stellenweise grandios: der Orpheus Chor in der Französischen Kirche.

Aufhorchen lässt bereits die Wahl des selten gespielten Werks, dessen subtile Umsetzung wunderbare Momente erzeugt. Sei es die Interaktion des Gesangs auf der Bühne mit den Stimmen, die sich überraschend von der Orgelempore zu Wort melden, die feinfühlige Interpretation des mit zwei Pianisten und reichlich Perkussion originell besetzten Orchesterparts ... der vielschichtige Charakter der Kantate ist allemal in guten Händen ... Besonders eindringlich schliesslich Rolf Romeis Gestaltung der Titel-Partie... Grossartig! Dies gilt ebenso für Passagen, in denen sich Chor- und Solo-Einsätze zu betörenden Klangcollagen verdichten, die ähnlich verdatterte Stille hinterlassen wie der gewaltige Schluss und dafür sorgen, dass der auch dynamisch äusserst differenzierte Konzertabend wohl in manchem Gedächtnis haften bleibt."

(Der Bund, 10.12.2011)

 

Puccini und Dvorak ergreifend interpretiert. … Der zahlreiche, altbewährte Stamm von Sängerinnen und Sängern, der Nachwuchsreichtum im Chor und die ausdrucksvollen Tenor- und Bassstimmen führten zu einer herrlichen, selten erlebten Klangfülle und –schönheit. … Die Aufführung gipfelte in einem ergreifenden, das ganze Konzert krönenden Jubelchor. Das Publikum war begeistert.“ (Liechtensteiner Vaterland, 30.5.2011)

„Im „Quoniam tu solus Sanctus“ gelingen schöne klangliche Mischungen mit den Bläsern und kraftvolle dynamische Steigerungen. … In diesem wuchtig instrumentierten Werk beweist der Chor Durchschlagskraft und tolle rhythmische Präzision. Im „Dignare Domine“ sind die „Miserere nostri“-Einwürfe des Chors ergreifend.“ (Der Bund, 28.5.2011)

 

"Der Schweizer Erstaufführung des 1994 komponierten Oratoriums "Voices of Light" nimmt sich der Orpheus Chor an und zeigt damit, dass er als einer der besten Chöre auf dem Platz Bern bezeichnet werden darf.“ (Der Bund, 30.1.2010)