Werkbeschreibung


Arvo Pärt

Der 1935 geborene und in Estland aufgewachsene Arvo Pärt gehört zu den wenigen Komponisten, auf die das oftmals missverständlich angewandte Wort Neue Einfachheit tatsächlich zutrifft. Er studierte in Tallinn und beschäftigte sich eingehend mit der mittelalterlichen Tonsprache. Mit geringsten Mitteln erlangt er ein hohes Mass an Intensität in seiner Musik. Diesen Stil nennt er Tintinnabulu-Stil, weil er der Struktur des Glockenklangs ähnlich ist. Mittels nahezu rein tonaler Gebilde erreicht Pärt eine aus seiner tiefen Gläubigkeit und seinem Hang zur Mystik her zu verstehende innere Balance von Form und Harmonik.

 

Trivium (Orgel)

Trivium (lat.) heisst soviel wie Dreiweg, Scheideweg, auch Kreuzweg. Ebenso versteht man unter Trivium die ersten drei der sieben freien Künste (aus dem griechischen Altertum).

Trivium ist als dreiteilige Komposition konzipiert: Eine gregorianisch anmutende Melodie wird, eingebettet in einen (ständig seine Lage wechselnden) d-moll-Dreiklang, dreimal durchgeführt, in der Abfolge leise, sehr laut, wieder leiser. Das klösterlich-mystische Element, ebenso wie eine grosse Einfachheit und stille Schönheit, die Arvo Pärts Musik ausmachen, kennzeichnen auch diese - zum Hörer eindringlich sprechende - Komposition.

Peace upon you, Jerusalem (Les Voc-à-Lises)

Textgrundlage des 2002 entstandenen Chorwerks Peace upon you, Jerusalem bildet der Psalm 122 (121). Zusammen mit 14 anderen kurzen Texteinheiten gehört er zu den sogenannten Wallfahrtspsalmen. Seine Vertonung hat insbesondere in der anglikanischen Kirche Tradition und kam in verschiedenen Fassungen auch als Hymnus bei der Krönung britischer Monarchen zum Einsatz.

Pärt widmete seine Komposition dem Mädchenchor des estnischen Fernsehens und dessen Dirigenten Aarne Saluveer. Sie lässt sich in vier Teile und eine Art Coda, einen ausklingenden Schlussteil, gliedern. Der erste Teil grenzt sich durch klare Rhythmik vom zweiten, mehr lyrischen Teil ab, für den der Komponist denn auch die Vortragsbezeichnung cantando (sanglich, melodiös) wählte. Der rhythmisch in allen Stimmen gleich gestaltete Anfang des dritten Teils mündet schliesslich in eine marschartige Sequenz, die zu Beginn des vierten Teils zum Stillstand kommt. Mit Pray for the peace of Jerusalem (Erbittet für Jerusalem Frie-den) erklingt nun jene Textstelle, auf die sich der Titel des Werkes bezieht, bevor die Komposition mit langen, liegenden Tönen ruhig ausklingt.

 

Da pacem Domine (Orpheus Chor)

Das Friedensgebet hat Pärt im Auftrag von Jordi Savall geschrieben. Der Komponist begann mit der Vertonung zwei Tag nach den Bombenanschlägen von Madrid am 11. März 2004, in Erinnerung an die Opfer. Seitdem wird das Werk in Spanien jedes Jahr zum Gedenken an die Opfer des Anschlags aufgeführt.

Das Gebet um Frieden zeichnet sich durch stehende Klänge aus, die ohne grosse harmoni-sche Entwicklung oder rhythmische Bewegung auskommen.

Ave Maria (Gegrüsset seist du, Maria): Mit diesen Worten kündigt der Erzengel Gabriel Maria die Geburt ihres Sohnes an. Das Ave Maria verehrt die Gottesmutter und gehört neben dem Vaterunser zu den wichtigsten Gebeten der Christenheit.

Ave maris stella (Meerstern, sei gegrüsst): So beginnt ein Hymnus der katholischen Kirche, der an Marienfesten im Stundengebet zur Vesper gesungen wird. Der Text ist seit dem 8. Jahrhundert überliefert.

 

Gustav Holst (1874 – 1934): Ave Maria (Les Voc-à-Lises)

Der Name Gustav Holst ist mit einem Werk untrennbar verbunden - der Orchestersuite The Planets. Daneben schrieb der englische Komponist mit schwedischen Wurzeln aber auch diverse Vokalwerke, darunter ein Ave Maria für 8-stimmigen, unbegleiteten Frauenchor. Er widmete es seiner Mutter Clara, die er bereits im frühen Kindesalter verloren hatte. Obwohl nicht im konventionellen Sinne religiös, setzte er ihr, deren Vorfahren aus dem katholischen Spanien stammten, mit dieser Verehrung Marias, der Mutter aller Mütter, ein klingendes Denkmal. Die Anlage des Werkes mit der Aufteilung der Stimmen in zwei Chöre erinnert an die doppelchörigen Kompositionen der Renaissance und ihr Spiel mit Frage und Antwort.

 

Efrem Podgaits (*1949): Ave Maria (Les Voc-à-Lises)

Die Musik des in der Ukraine geborenen und in Moskau ausgebildeten Komponisten fand unter sowjetischer Obrigkeit wenig Gefallen, gehörte er doch als Jude einer religiösen Minderheit an, der die Sowjetmacht mit Misstrauen und Repression begegnete. Dass er mit dem Ave Maria 1998 eines der wichtigsten Gebete einer anderen Religionsgemeinschaft vertonte, mag damit zusammenhängen, dass die Marienverehrung auch in der orthodoxen Kirche einen hohen Stellenwert hat. Podgaits teilt die Stimmen in zwei Chöre auf, die so-wohl gemeinsam als auch im Wechselgesang erklingen. Durch mehrfache Wiederholung erhält die Gebetszeile Ave Maria, gratia plena (Gegrüsset seist du, Maria, voll der Gnade) besondere Bedeutung.

 

Eva Ugalde (*1973): Ave maris stella ( Les Voc-à-Lises)

Als Referenz an die über tausendjährige Geschichte lässt die spanische Komponistin Eva Ugalde ihre Vertonung des Ave maris stella einstimmig in gregorianischem Stil beginnen. Daraus entwickelt sie eine Mehrstimmigkeit, die weniger von harmonischen Einfällen als vielmehr von interessanten rhythmischen Effekten lebt. Im Hinblick auf einen Chorwettbe-werb entstand die Komposition 2007 für den spanischen Frauenchor Kanta Cantemus Ko-rua, in welchem Ugalde Mitglied war.

 

Zoltán Kodály

Der 1882 geborene und 1967 verstorbene Zoltán Kodály, neben Liszt und Bartók der be-deutendste ungarische Komponist, gilt als einer der Väter der neuen ungarischen Musik. Er war Lehrer ganzer Komponistengenerationen Ungarns, als Musikwissenschaftler befasste er sich besonders mit Volksmusik (mit seinem Freund Bartók sammelte und ordnete er un-zählige ungarische Volkslieder), und als Pädagoge lag sein besonderes Interesse in der För-derung des Chorgesangs. Die Beschäftigung mit dem Volkslied war von entscheidender Be-deutung für sein Musikschaffen, erneuerte er doch das ungarische Musikleben im Sinne einer Rückkehr zu den magyarischen Wurzeln. Er schrieb unzählige Werke für gemischte, Frauen-, Männer-und Kinderchöre, und sein Einfluss auf die Musikpädagogik auch westeu-ropäischer Länder ist kaum zu überschätzen.

Ave Maria (Les Voc-à-Lises)

Sein Ave Maria für 3-stimmigen Frauenchor entstand 1935 am Vorabend des Zweiten Welt-krieges. Kodály lässt es im Stil eines gregorianischen Gesangs beginnen. Während die Alt-stimmen den Gebetstext vortragen, antworten die oberen Stimmen und ergänzen das har-monische Gerüst. Dabei entsteht eine Art Wechselgesang zwischen einstimmigen Passagen und mehrstimmigen, harmonisch reich gestalteten Stellen.

Psalm 114 (Orpheus Chor und Orgel)

Dieser Psalm ist für vierstimmigen gemischten Chor mit Orgelbegleitung geschrieben. Es geht um den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Der Psalm ist geradlinig, im Wesentli-chen homophon und die Orgel verleiht den Worten Ihr Berge, was hüpfet ihr wie Lämmer auf dem Feld zusätzlichen deskriptiven Glanz. Der Forte-Schluss greift das Anfangsthema wieder auf und steigert es zum Fortissimo.

Missa brevis (Les Voc-à-Lises, Orpheus Chor und Orgel)

Die Missa Brevis geht auf seine 1942 komponierte Stille Messe für Orgelsolo zurück. Zwei Jahre später arbeitete er das Werk für Soli, gemischten Chor und Orgel um. Auf die damalige Belagerung Budapests weisen der Untertitel der Messe in tempore belli hin und ihr Ausklang Da pacem, der als Friedenswunsch der ganzen vom Krieg heimgesuchten Menschheit gedeutet wurde. Die Uraufführung fand Anfang 1945 in der zum provisorischen Konzertsaal umgewandelten Garderobe des Budapester Opernhauses statt, wo Kodály und seine Frau (der das Werk gewidmet ist) in jenen Tagen des Elends Schutz gesucht hatten.

Strukturell weist die Messe die üblichen Elemente auf: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei, doch werden diese von einem einleitenden Introitus für Solo-Orgel und einem Nachspiel Ite, missa est eingerahmt, das als Coda dient.