Aprésconcert - Pressestimmen

 

 

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30. Januar 2010

 

 

 

Kurzbesprechungen


Orpheus-Chor

 

Die Stimmen der Jeanne d'Arc


Bestuhlt ist die Französische Kirche wie für die Predigt. Aber statt des Pfarrers
sind es die weit aufgerissenen Augen der jeanne d'Arc auf der Leinwand, die das Publikum an diesem Abend faszinieren. Stets aus der knienden Perspektive starrt sie auf die hämisch grinsenden und drohenden Theologen, die sie nur kurz danach dem Feuer des Scheiterhaufens überlassen.
Carl Theodor Dreyer drehte mit «La Passion dejeanne d'Arc» (<<Bund»
vom 28. januar) einen der bedeutends ten Stummfilme der Filmgeschichte.

Der zeitgenössische amerikanische Komponist Richard Einhorn fand in die-
sem Film aus dem jahr 1928 Inspiration für ein Werk: «Voices of Light» benannte er sein Oratorium, das als Untermauerung des Stummfilms steht, aber auch als unabhängiges Werk aufgeführt werden kann. Die Musik ist durchzogen vom gregorianischen Stil, vermischt mit mo dernen Elementen. Sein Werk unter stützt nicht die Handhing des Films, wie man es sich von Stummfilm-Musiken gewohnt ist, eher malt Einhorn das Stimmungsbild. Der Schweizer Erstaufführung des 1994 komponierten Oratoriums nimmt sich der Orpheus-Chor an und zeigt damit, dass er als einer der besten Chöre auf dem Platz Bern bezeichnet werden darf. Die rund 90 Mitglieder singen 'unter der Leitung von Rudolf Rychard, begleitet vom Orchester Opus.
Nur selten verlieren die Musiker das Zusammenspiel; finden aber rasch wieder
den richtigen Takt. Wie Puzzleteile werden verschiedene Instrumente mal mit
den Solostimmen (Marysol Schallit, Christoph Metzger und Roger Bucher) oder dem Chor zu einem Ganzen zusammengefügt, stimmig in sich selbst. Fühlbar zerbrechlich wirkt die «Stimme der jeanne», gesungen von Simone Rychard
und Astrid Pfarrer. Meist Tonhöhen verschoben, singen sie die teils dissonanten Passagen mit Feinheit und Zartheit, die Raum zu durchdringen vermögen. Dass die Aufführung unter die Haut geht, ist programmiert.

 

Mariel Kreis

 

 

 

 

 

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30. Januar 2010

 

 

 

 

SCHWEIZER ERSTAUFFÜHRUNG IN DER FRANZÖSISCHEN KIRCHE

 

Die letzten Stunden der Jeanne d'Arc

 

Der Orpheus Chor bringtdas Oratorium «Voices of Light» mit dem Stumm-
film "La passichde Jeanne d'Arc" zum Klingen.

 

Da sitzt sie auf ihrem Stuhl, verhöhnt und erniedrigt von den Geistlichen, die ihr den Prozess machen: Ein Geflecht liegt auf ihrem Haupt; das leicht zur Seite
geneigt ist. Tränen laufen ihr über die ,wangen, der leidende Blick geht ins Leere. «La passion de Jeanne d'Arc», der Stummfilm des dänischen Regisseurs Carl Theodör Dreyer, dokumentiert das' Schicksal des Hirtenmädchens, das zur Märtyrerin wurde.
Eine göttliche Vision hatte die Jungfrau von Orleans ins Getümmel des Hundertjährigen Kriegs geführt, wo sie die Franzosen zum Kampf gegen die englischen Belagerer trieb, bevor sie gefangen genommen und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Dreyers Werk von 1926 legt den Fokus auf den Inquisitionsprozess, erzählt in ausdrucksstarken Grossaufnahmen von der seelischen Zerrüttung der Angeklagten (Maria Falconetti), lädt sie auf mit einer Bild- und Symbolspra-
che, die den Leidensweg Iesu Christi evoziert. Die 1981 aufgetauchte Originalversiön des Films inspirierte den amerikanisehen Komponisten 'Richard
Einhorn zu einem Oratorium, unterlegt mit lateinischen und altfranzösischen Texten, die das Passionsgeschehen aus unterschiedlichen Perspektiven re-
flektieren.

 

Verdienstvolles Projekt
DankRudolf Rychard, Leiter des Berner Orpheus Chors, ist das Werk «Voices
of Light» nun erstmals in der Schweiz zu hören. Der Orpheus Chor, das Orchester Opus und die fünf Solisten Simone Rychard (Sopran), Marysol Schalit (Sopran), Astrid Pfarrer (Mezzosopran), Christoph Metzger (Tenor) und Roger Bucher (Bariton) interpretieren das Oratorium parallel zum Passionsfilm, projiziert auf eine Leinwand in der Französischen Kirche. Ein ebenso aufwän-
diges wie verdienstvolles Projekt, das Bild und Musik zu einem' stimmigen Gesamtkunstwerk verbindet.

 

Schlichte Harmonik
Dass die Aufführung zum Ereignis wird, liegt .nicht zuletzt an der Zurück-haltung der Beteiligten. Bereits der Film selbst gibt sich asketisch-streng, ohne je ins Frömmlerische zu verfallen. Dasselbe gilt für Einhorns Musik mit ihrer schlichten Harmonik im Geist der Renaissance. Sie illustriert nicht die Film-szenen, vielmehr schafft sie eine Grundstimmurig von meditativer Melancholie, die unter Rychards umsichtiger Leitung noch um einiges dezenter und transparenter erscheint als in der bisher einzigen Einspielung von 1995.
Rychards pulsierende Deutung bringt jene 'seelische Landschaft zum Klingen, die Dreyer einst im Gesicht der Protagonistin aufspürte. Und man lässt sich ein-
nehmen von dieser Musik, auch wenn sie mitunter fast schon irritierend schön wirkt angesichts dessen, was auf der Leinwand zu sehen ist.

 

Olivier Meier

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